Die überraschende Wahrheit über Autos als Wertanlage

Die überraschende Wahrheit über Autos als Wertanlage

Autos, insbesonders als Youngtimer und Oldtimer, gelten als risikofreie Wertanlage mit hoher Rendite. Doch ist das wirklich so? In diesem Beitrag berichten wir über unsere Erfahrung mit Autos als Wertanlage, die Dich vielleicht überraschen wird.

Ich bin ein Petrolhead

In Zeiten von Dieselgate, Fridays for Future und Feinstaub-Hysterie traue ich mich kaum es zuzugeben: ich bin ein großer Petrolhead und habe Benzin im Blut. Gibt es etwas schöneres als den Geruch von Leder, Wachs, Öl und verbleitem Benzin, der alte Autos umweht?!

Der Anblick zeitlos, eleganter Karosserien erzeugt sofort Bilder einer vergangenen Zeit in meinem Kopf. Die Technik und ihre verschiedenen Irrungen und Wirrungen sowie die Ehrfurcht vor der Ingenieursleistung üben eine magische Faszination aus, die sich im herrlichen Brabbeln eines Acht- oder im ruhigen, dumpfen Schnurren eines Sechszylinders manifestiert. Wer will schon die explosive Beschleunigung eines lautlosen Elektromotors, wenn er alternativ die souveräne Kraftentfaltung eines großvolumigen Motors, begleitet von einem dumpfen Grollen aus dem Motorraum, spüren kann?!

Während sich Autos in uniforme, gesichtslose Computer verwandeln, Hubraum dem Downsizing zum Opfer fällt und durch Turbolader ersetzt wird, wurde der Wunsch, einen Oldtimer zu besitzen, zunehmend drängender.

Doch Traumfahrzeuge der 1950er-Jahre wie ein Maserati 3500 GT sind in unerreichbare Sphären enteilt. Die Traumautos meiner Jugend sind mir dann doch deutlich näher. Ein Mercedes 560 SEC (C126) oder ein Jaguar XJS wären schon eher im Bereich des Möglichen. Aber in der Abwägung mit anderen “vernünftigeren” Investitionen, wie beispielsweise einer eigenen Immobilie, konnten sie sich natürlich nie durchsetzen.

Vom Youngtimer als Zweitwagen zum eigenen Oldtimer

So entstand die Idee einen jungen Klassiker zu erwerben, diesen als Youngtimer im Alltag zu bewegen und in unserem Besitz zum Oldtimer reifen zu lassen. Gesagt, getan: 2008 kauften wir einen Mercedes-Benz SLK 230 Kompresssor (R170) aus dem Baujahr 1998.

Der Finanzvorstand (w) nutzte ihn über viele Jahre als normalen Zweitwagen im Alltag und wir verbrachten einen traumhaften Sommerurlaub in Süditalien mit unserem kleinen Flitzer. Die Fahrten bei offenem Verdeck auf kurvenreichen Küstenstraßen mit dem salzigen Geruch des Mittelmeeres in der Nase, waren ein unbezahlbares Erlebnis.

Die Rückfahrt führte uns, aufgrund eines missverstandenen Navigationsgeräts, über diverse Alpenpässe quer durch die nächtliche Schweiz. Das Läuten der Kuhglocken in der glasklaren, frischen Luft unter dem sternenklaren Himmel, werde ich wohl nie vergessen.

Unser Mercedes-Benz CLK240 (C209)
Unser Mercedes-Benz CLK240 (C209)

Mit zunehmender Laufleistung nutzten wir den SLK dann schonender und seltener. 2016 erwarben wir daher zusätzlich einen Mercedes-Benz CLK 240 (C209) als Winter-Auto und mieteten einen Stellplatz, in einer Halle im Nachbarort, als Winterquartier für unseren SLK an.

Er verbrachte fortan mehr und mehr Zeit im Winterquartier. Zuletzt bewegten wir ihn in zwei Jahren nur noch 1.500KM.

Taugt unser Youngtimer als Wertanlage?

Um die Frage, ob ein Auto als Wertanlage geeignet ist, beantworten zu können, muss man zunächst die Rendite-Erwartung klären. Rechnet man zu Vollkosten, wird es bei einem “Brot-und-Butter”-Auto wohl schwer einen positiven Case zu rechnen. Dafür bedarf es dann schon seltener Präziosen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen hohen Wertzuwachs erfahren werden. Doch solche Fahrzeuge kosten bereits im Einstand ein vielfaches von unserem Mercedes und fallen daher aus dieser Betrachtung.

Für uns stand die Rendite nie im Vordergrund. Wir wollten durch die Anschaffung eines Youngtimers auf günstige Weise im Laufe der Zeit zu einem Oldtimer kommen. Es ging also eher um einen Spareffekt. Dementsprechend war die Erwartung an die Wertentwicklung unseres Autos bescheiden. Wir hofften irgendwann den Kaufpreis zuzüglich der direkten Fixkosten erzielen zu können.

Bei Beobachtung der Marktpreisentwicklung reifte jedoch zunehmend die Erkenntnis, dass die Rechnung nicht aufgehen würde.

Als wir den SLK vor ein paar Wochen aus seiner Halle holten, forderte die Service-Anzeige eine Inspektion, die laut Mercedes-Händler mit 1.000 Euro zu Buche schlagen sollte. Das war Anlass einmal genauer auf die Kosten und mögliche Rendite unserer Wertanlage zu schauen.

Die Wertentwicklung läuft den Unterhaltskosten nach.

2008  haben wir 12.000 Euro für unseren SLK bezahlt. Sein Stellplatz in der Halle im Nachbarort kostet uns 720 Euro im Jahr. Außerdem wollen wir Steuern und Versicherung in die Rechnung einbeziehen. Schließlich unterhalten wir ein zweites Auto, für das zusätzlich Steuern und Versicherung anfallen, ausschließlich um den SLK zu schonen. So summieren sich die jährlichen Fixkosten zu rund 1.300 Euro.

Somit stehen bis heute 17.200 Euro als Zielwert auf dem Zettel. Der aktuelle Rest-Wert liegt bei 5.000 Euro. Daher müssten wir aktuell 12.200 Euro Wertentwicklung in den kommenden Jahren erzielen um unsere Erwartung zu erfüllen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Wertentwicklung momentan auf dem Tiefpunkt ist und die Preise zukünftig steigen, dann dauert es dennoch sicher weitere 10 Jahre bis sich der Preis wieder in Richtung dieser Zielmarke entwickelt hat. Das heißt, dass während dieser Wartezeit mindestens 13.000 Euro an zusätzlichen Fixkosten anfallen werden.

Die Zielmarke erhöht sich damit auf 30.000 Euro, was wiederum bedeutet, dass die Unterhaltskosten der Wertentwicklung noch auf lange Zeit davonlaufen werden. Ob ein Auto wie der SLK, der vergleichsweise oft gebaut und verkauft wurde, jemals in diese Regionen vordringen wird, ist ohnehin fraglich.

Unter Berücksichtigung der Opportunitätskosten des gebundenen Kapitals sieht die Rechnung noch düsterer aus. Beide Fahrzeuge binden etwa 11.000 Euro Kapital. Wenn wir diese in Aktien investieren würden, könnten wir innerhalb von 10  bis 20 Jahren erhebliche Renditen erwirtschaften, die in eine strenge Berechnung eingezogen werden müssten.

Doch das wollen wir an dieser Stelle vernachlässigen. Schließlich würden wir nicht beide Fahrzeuge ersatzlos abschaffen.

Unser Fazit: Die Mehrheit der Autos ist als Wertanlage eher ungeeignet

Zusammenfassend müssen wir uns wohl eingestehen, dass unser SLK selbst unter dieser stark vereinfachten und wohlwollenden Rechnung nicht als Wertanlage taugt. Es ist zu ungewiss ob er jemals eine überdurchschnittliche Wertsteigerung erreichen wird. Wenn diese eintreten sollte, wird es lange Zeit dauern, bis sie die aufgelaufenen Fixkosten übersteigen und eine positive Rendite bringen wird.

Die Ableitung, dass Young- und Oldtimer generell nicht als Wertanlage geeignet sind, ist allerdings nicht legitim. Die Auswahl eines seltenen oder besonderen oder sehr hochpreisigen Fahrzeugs kann die Bewertung deutlich beeinflussen. Darüber hinaus hat das Vorhandensein eines eigenen, kostenlosen Stellplatzes enormen Einfluss auf die Fixkosten.

Schließlich würde ich mit unserer heutigen Erfahrung meinen, dass sich der Einstieg erst lohnt wenn die Wertentwicklung bereits den Tiefpunkt durchschritten hat und eine positive Tendenz aufweist.

Wir für unseren Teil haben das Experiment abgebrochen, SLK und CLK verkauft und, wie bereits in unseren Jahreszielen für 2020 angedeutet, ein moderneres Coupé für den Finanzvorstand (w) (mit einem schönen Motor für den Kassenwart (m) 🙂 ) erworben.

Welche Beziehung hast Du zu Autos im Allgemeinen und Young- und Oldtimern im Speziellen? Teilst Du mein Einschätzung zu Autos als Wertanlage oder kannst Du einen positiven Case rechnen? Ich freue mich auf Dein Feedback.