Von kleinem und großem Vieh oder wie Du sofort in die finanzielle Freiheit startest

Lesezeit: 5 Minuten

Wir Finanzblogger schreiben viel über die finanzielle Freiheit. Sie ist das große Ziel auf das wir hinsparen, für das wir uns in Verzicht üben und einen großen Teil unserer Einkünfte investieren. Doch für mich ist die finanzielle Freiheit keine große Zahl bei deren Erreichung ich plötzlich frei bin. Ich verstehe unter dem Begriff mehr als die Möglichkeit aus dem Erwerbsleben auszusteigen.

Kleinvieh macht auch Mist

Vor einigen Tagen erhielten wir die Abrechnung unseres Gas-Versorgers. Die erste Seite des Schreibens verkündete, besonders hervorgehoben, dass wir ein Guthaben von 11 Euro haben und der neue Abschlag 70 Euro betrage. Auf der zweiten Seite wurde uns vorgerechnet wie das Guthaben zustande kommt und verkündet, dass wir das Guthaben mit dem nächsten Abschlag verrechnen dürfen und nur 59 Euro überweisen sollen.

Voller Freude über diesen unverhofften Geldsegen öffnete ich also unseren “Finanzmanager” um den Dauerauftrag für die nächste Abschlagszahlung um 11 Euro zu reduzieren. Doch welch Überraschung, der bisherige Abschlag belief sich gar nicht wie angenommen auf 70 sondern auf 57 Euro.

Der aufmerksame Leser reibt sich nun vermutlich verwundert die Augen und fragt sich, was denn da los ist. Wir haben (geringfügig) weniger Gas verbraucht als erwartet und trotzdem wird der Abschlag um satte 23 Prozent erhöht?!

Diese Fragestellung habe ich natürlich umgehend an unseren Vertragspartner herangetragen. Zur Antwort erhielt ich, dass ja nur 338 statt 365 Tage abgerechnet worden seien. Außerdem habe man eventuelle Preissteigerungen, die sich unter Umständen im Laufe des Jahres ergeben könnten, berücksichtigt, damit uns keine Nachzahlung entstehen könne.

Angesichts solcher Fürsorglichkeit habe ich mich natürlich höflichst bedankt und darauf verwiesen, dass die Differenz aus 338 und 365 Tagen nicht 23 sondern nur 7 Prozent beträgt. Darüber hinaus wäre die Abrechnung einer Preisanpassung nicht mehr Problem unseres jetzigen Anbieters, da wir diese zum Anlass nähmen, einen günstigeren Anbieter zu suchen.

Kurzum, es gibt keinen Grund, warum wir unserem Gasanbieter zinslos den Caschflow erhöhen sollten und wir alle wissen, dass man mit dem Geld sinnvolleres anfangen kann.

Beispielsweise kann man mit 13 Euro pro Monat bereits 6 Sparraten in einen Aktien- oder ETF-Sparplan investieren. Bei einer angenommenen Rendite von 5% würde eine solche Investition 7,80 Euro zusätzlich im Jahr bringen, die im schlimmsten Fall einen Teil einer eventuellen Preiserhöhung oder Nachzahlung decken könnten.

Wie sagt der Volksmund so schön: “wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert”.

Großes Vieh macht noch viel mehr Mist

In unserem letzten Kassensturz berichteten wir, dass der Januar finanziell eng war. Ende des Monats war das Girokonto dann wieder reichlich gefüllt und wir nahmen an, dass der Februar entspannter wird. Da irrten wir. Zu unserer Überraschung tendierte der Kontostand bereits am 05.02. wieder gegen Null.

Diese Situation war für uns Anlass einmal genauer hinzuschauen, was uns denn da das Konto so schnell leer gesaugt hat. Aus den diversen Positionen stach insbesonders eine Rentenversicherung hervor.

Sie fiel uns gar nicht einmal wegen ihres Beitrags sondern vielmehr aufgrund unserer Unwissenheit über ihren Inhalt und ihre Leistung auf. Wir begannen also damit unsere Unterlagen zu sichten, um herauszufinden, wofür wir da eigentlich jeden Monat bezahlen.

Es stellte sich heraus, dass der Vertrag Ende 2008 mit einem initialen Beitrag von 150 Euro pro Monat abgeschlossen wurde. Aufgrund einer 5-prozentigen Beitragsdynamik hatte sich der Monatsbeitrag in der Zwischenzeit auf 256 Euro fast verdoppelt. Bei unveränderter Fortsetzung würde sich der Beitrag bis 2047 auf über 1000 Euro monatlich steigern.

Angesichts solch beeindruckender Summen war unsere Neugier geweckt. Wir wollten nun genau wissen, was wir über die Laufzeit investieren müssen und mit welcher Rendite wir rechnen können.

Um es halbwegs kurz zu machen. Eine saubere Renditeberechnung eines solchen Konstrukts ist nahezu unmöglich. Fast alles ist variabel: der Monatsbeitrag, die Überschussbeteiligung, die Garantierente, die eigene Lebenserwartung. Für alles müssen Annahmen getroffen werden.

Ziemlich eindeutig ist jedoch das vollständige Risiko auf unserer Seite. Erst nach (in diesem Fall) 40 Jahren Einzahlung erhält der Finanzvorstand (w) eine Leistung. Erreicht sie das Renteneintrittsalter nicht, gibt es lediglich eine vergleichsweise gringe Todesfallleistung für den begünstigten Kassenwart. Verstirbt der Finanzvorstand (w) nach den ersten 5 Jahren Rentenbezug, gibt es gar keine weitere Leistung für den Kassenwart. Für dieses doch recht einseitige Konstrukt kassiert die Versicherung beachtliche Verwaltungsgebühren bis an an das Lebensende des Finanzvorstands (w). Schließlich fiel auf, dass die Garantierente bei weitem nicht in gleichem Verhältnis wie der Monatsbeitrag steigt. Im Gegenteil, die Garantierentensteigerung fiel von Jahr zu Jahr geringer aus.

Je nach Modell, Betrachtungs- und Berechnungsweise kamen am Ende der erwarteten Lebenszeit (95 Jahre) des Finanzvorstands (w) gerade einmal 1,5 bis 2,5 Prozent Rendite heraus.

Nach allem, was wir im vergangenen Jahr gelernt haben, ist das sicher kein lohnendes Investment.

Aus diesem Grund haben wir die Versicherung gekündigt. Wir erhalten zum 01.04. den Rückkaufwert, der immerhin etwas über der Summe der eingezahlten Beiträge liegt und werden diesen, inklusive der freiwerdenden Monatsbeiträge, in den weiteren Aufbau unseres Depots investieren.

Wir erwarten natürlich eine höhere Rendite. Was uns aber vor allem wichtig ist, ist der sofort einsetzende Effekt auf unser monatliches Einkommen. Die Erträge wollen wir natürlich re-investieren um den maximalen Renditeeffekt zu erzielen. Wir müssen das aber nicht tun und sind flexibler. Außerdem müssen wir nicht bis in die ferne Zukunft auf eine Auszahlung warten. Wir können nun selber darüber bestimmen wann und wie lange wir uns eine Rente auszahlen.

Finanzielle Selbstbestimmtheit ist finanzielle Freiheit

Wenn Du bis hier gelesen hast, fragst Du Dich sicher, was diese beiden Annekdoten denn nun mit finanzieller Freiheit zu tun haben sollen.

Vielen Menschen wäre nicht aufgefallen, dass sie unbegründet einen zu hohen Abschlag für ihr Gas bezahlen sollen. Selbst wenn es ihnen auffiele, würden sie nicht über eine alternative Verwendung des Geldes nachdenken. Die meisten Menschen verlassen sich auf vermeintliche “Experten”, die ihnen erklären wie sie vorsorgen sollen und welche Versicherungen sie benötigen. Frei nach dem Motto: “Das verstehe ich eh nicht und es wird schon stimmen.” werden Finanzprodukte abgeschlossen ohne wirklich deren Nutzen zu hinterfragen.

Aus purer Bequemlichkeit werden Probleme mit Geld beworfen und gedanklich abgehakt. Wir schließen uns da gar nicht aus. Diese Bequemlichkeit bindet und verschwendet Kapital, welches wiederum durch Erwerbstätigkeit erwirtschaftet werden muss.

Unsere wichtigste Erkenntnis des vergangenen Jahres war gar nicht die Wirkung von Dividenden auf die Vermögensentwicklung. Die größte Überraschung für uns war wie viel ungenutztes Potential in unseren Finanzen stecken.

Einen großen Teil unserer Zeit verwenden wir mittlerweile für unsere Finanzplanung. Wir gehen oft spazieren und diskutieren verschiedenste Ideen rund um unsere Vermögensentwicklung. Ohne diese kreative Beschäftigung mit unseren Finanzen wäre das sensationelle Ergebnis des letzten Jahres nicht möglich gewesen.

Die beiden oben beschriebenen Annekdoten zeigen, dass die Beschäftigung mit den eigenen Ein- und Ausgaben im Großen wie im Kleinen die Freisetzung von Kapital ermöglicht. Erst dieses Verständnis der eigenen Finanzen und der Wille zu ihrer Planung, Steuerung, Kontrolle und Optimierung ermöglicht die Erreichung der großem Zahl und damit der Überwindung der Abhängigkeit von Erwerbstätigkeit.

Finanzielle Selbstbestimmtheit ist für mich bereits ein großer Teil der finanziellen Freiheit. Die Möglichkeit zu arbeiten weil ich will und nicht mehr weil ich muss, ist nur noch das i-Tüpfelchen, welches unsere Anstrengungen belohnt, beziehungsweise belegt, dass wir vieles richtig gemacht haben.

Finanziell frei wurden wir in dem Moment als wir begonnen haben die Kontrolle über unsere Finanzen zu übernehmen. Das kannst Du auch. Und zwar jetzt sofort.

 

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